Frühlingsspaziergang in Rohlsdorf

20.04.2020

 

 

Rohlsdorf, dem Amt Meyenburg zugehörig, ist eines der in der Prignitz eher seltenen Runddörfer – in seiner Struktur erhalten geblieben auch mit der Dorferneuerung. Im Zentrum der sehr harmonischen Anlage des Ortes erwarten uns Erika und Norbert Ludwig.

Sie wohnen seit dem Jahr 2000 auf dem 1500 Quadratmeter großen Grundstück nahe der Kirche und dem Dorfteich, das einst dem Schmied des Dorfes gehört haben muss. Seitdem haben sie nicht nur ihr Wohnhaus baulich in Ordnung gebracht, sondern nach und nach auch das Nebengelass. Davon gibt es reichlich, wie die alte Schmiede mit den schönen großen Eisenfenstern, die heute eine Möglichkeit für größere Feiern bietet. Auch von den einst als Scheunen und Stallungen genutzten Gebäuden ist immer noch so viel übrig, dass es Erika winters als Unterstellmöglichkeit für kälteempfindliche Pflanzen dient und Norbert als Werkstatt. Es gibt geschützte Räume für Exoten und Platz für unzählige Saatschalen im zeitigen Frühjahr. Gartenfreunde wissen sofort: Da steckt unheimlich viel Arbeit dahinter - und zwar das ganze Jahr über.

Empfangen werden wir von den Gastgeber mit einem in Corona-Zeiten wichtig gewordenen Utensil: Erika hat für die Besucher von einer Bekannten genähte Schutzmasken bereit gelegt. Natürlich aus Stoff mit Rosenmuster. Sie ist zusammen mit ihrem Mann seit zirka eineinhalb Jahren Mitglied bei den Rosenfreunden Wittstock.

Der von der Vorbesitzerin übernommene Garten hat im Wesentlichen seine traditionellen Strukturen behalten. Es gibt Flächen für Kartoffeln und Gemüse, einige Hochbeete für das Grünzeug, das Erika in der Saison tagtäglich zupft und aufs Brot oder in den Quart tut. Kräuter sind wichtig und finden sich in vielfältigen Arten und Sorten von Erdbeerminze bis Blutampfer. „Das brauche ich einfach, es tut mir gut“, sagt sie. Und sie liebt es genauso wie Norbert, im Sommer im Boden nach den frischgewachsenen Erdäpfeln zu graben. Und entlang der Wege - auch das eine gute alte Tradition auf dem Lande – erstrecken sich die schmaleren oder auch breiteren Rabatten. Hier darf es üppig und überbordend grünen und blühen, schon Mitte April ist die Vielfalt zu ahnen. Nicht nur geduldet, sondern erwünscht sind die Selbstaussäher, Ein-oder Zweijährige, die in der Regel bleiben dürfen, wo sie sich selbst einen Platz erwählt haben und die dem Garten immer wieder neue und oft auch wunderbar überraschende Bilder schaffen.

Auch wenn jetzt im April nach etlichen sehr kühlen bis frostigen Nächten die Vegetation noch verhalten ist, wird es in diesem Garten nicht langweilig. Überall gibt es kleine Dekorationen, Konstruktionen, Kreationen – die Erika mit viel Liebe und Geschick in Szene setzt. Norbert darf keinen Baumstumpf, kein rostiges Gefäß, kein altes Rohr entsorgen. „Ich kann das alles gebrauchen. Daraus kann man immer noch etwas machen“, betont sie. So wie das alte Bettgestell aus Holz, das wochenlang auf dem Sperrmüll am anderen Ende des Dorfes lag. Nachdem Norbert dem Drängen seiner Frau nachgegeben hat, steht es heute azurblau gestrichen, mit zwei Sitzflächen und einem alten Tisch in derselben Farbe komplettiert im Garten – und wirkt ausgesprochen einladend.

Wobei: So viele Sitzecken brauchen die Ludwigs eigentlich gar nicht. „Wir sitzen sowieso kaum mal“, sagt Erika - und Norbert nicht schmunzelnd mit dem Kopf dazu. Er zupft zwar nicht das Unkraut zwischen den Pflanzen heraus, nein, das ist seine Sache nicht. Aber wann immer seine Frau einen Wunsch, eine Idee hat, erfüllt er den gern und engagiert sich so beim Bau von Wegen, Hochbeeten und Insektenhotel, beim Streichen und Reparieren. Es gibt immer etwas zum Handwerkern, hier und dort und überall. Das ist sein Element.

Und dann sind da noch die zehn Hühner und einige Kaninchen, die zum Haushalt gehören, und versorgt werden wollen. Ja, es gibt reichlich zu tun. Und kein Besucher – das glauben wir den Gastgebern aufs Wort - geht hier wieder los, ohne nicht ein Wurzelstück, einen Ableger, ein Töpfchen mit Sämlingen oder ein paar von den so wertvollen Holzscheiben für diverse eigene Deko-Versuche mit nach Hause zu nehmen. Nicht selten geht Erika gleich mit dem Spaten los und gräbt mal eine Pflanze aus.

Und natürlich muss nach dem Gartenrundgang der selbstgebackene Kuchen probiert werden. Backen ist eines der Talente, die Erika umtreiben und eigentlich zu selten zur Ruhe kommen lassen. Sie möchte an so vielen Stellen und so vielen Menschen helfen. Nicht überraschend, dass sie eben auch tut, was momentan wichtig ist: Sie verteilt Viren-Schutz für Menschen in ihrem Umfeld. (Kirsten Große)

 

 

Foto: Vorschaubild zur Meldung: Frühlingsspaziergang in Rohlsdorf

Fotoserien zu der Meldung


Ludwig in Rohlsdorf (20.04.2020)

Weil Gäste derzeit nicht persönlich zum Frühlingsspaziergang kommen dürfen, bieten Erika und Norbert Ludwig einen Foto-Rundgang durch ihren Garten an. Fotos (21): Große