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Erhebliche Verzögerung der Erstblüte nach Frostschäden zu erwarten

03.06.2020

Hermann Oehring, Suhl, über seine Erfahrungen mit Rosen in diesem Frühjahr:

In Anbetracht der teils außergewöhnlichen Wettersituationen in den letzten Wochen halte ich es für angebracht und eventuell auch für den einen oder anderen hilfreich, einige Bemerkungen dazu zu machen.

Zunächst zur aktuellen Lage, wie sie sich hier in Suhl (480 m NN  ) und sicher auch anderswo darstellt: Ungeachtet einiger kaum ergiebiger Regenfälle im Mai vergrößert sich das Niederschlagsdefizit weiter. Der Boden ist besonders in den tieferen Schichten immer noch sehr trocken. Man merkt das hier bei uns sehr deutlich an dem gebremsten Wachstum der Rosen. Hinzu kamen die Frostnächte zum Ende der Eisheiligen, mit Tiefsttemperaturen um minus 5° C, mancherorts sogar minus 7° C, besonders in der Nacht zum 12. Mai, die teilweise verheerende Schäden anrichteten.

In meinem konkreten Fall muss ich leider berichten, dass bei über zwei Drittel aller meiner Rosen die neuen Austriebe abgefroren sind, wobei die Kletterrosen noch vergleichsweise gut davongekommen sind.

Ich empfehle in diesen Fällen, die betroffenen erfrorenen Triebspitzen bis ins vitale, gesunde Gewebe zurückzuschneiden. Rosen sind bekanntlich sehr regenerationsfähig und gleichen diese Schäden auch bald wieder aus, allerdings muss man dann mit einer erheblichen Verzögerung der Erstblüte rechnen, das kann durchaus drei bis vier Wochen in Anspruch nehmen. Um eine zusätzliche Schwächung der Pflanzen zu verhindern, muss jetzt gründlich gewässert werden.

Über die richtige Wässerung berichtet Heiko Hübscher im „Rosenbogen“ 2/2020. Hier eine kurze Zusammenfassung: „Möglichst keine Flächenbewässerung über Beregnung. Das ist nicht nur ineffektiv, sondern begünstigt auch die Verbreitung der Schadpilze. Vielmehr sollte man in wöchentlichen Abständen 20 bis 25 Liter über Gartenschlauch an den Wurzelhals der Rose bringen. Danach den Boden lockern, um Verdunstungsverluste zu vermeiden.“

Heiko Hübscher, das weiß ich aus seinen Veröffentlichungen und seinem Vortrag bei uns, lehnt eigentlich großflächige Mulchbedeckung des ungeschützten Bodens ab. Ich selbst habe nur gute Erfahrungen damit gemacht. Geschredderter Holzhäcksel (nur Laubholz) oder angewelkter Rasenschnitt sind gut geeignet, um das Gießwasser im Boden zu halten, die Verdunstung zu minimieren und fördern gleichzeitig das Bodenleben.

Und noch ein Wort zur Düngung sei mir gestattet. Übermäßige stickstoffbetonte Nährstoffzufuhr halte ich für entbehrlich und durchaus kontraproduktiv. Eine maßvolle biologische Düngung, und zwar nur einmal im Frühjahr halte ich für das optimale Verfahren

In letzter Zeit nimmt bei manchen Sorten der Mehltaubefall zu, auch ein Zeichen, dass die Rose im Stress steht und geschwächte Abwehr hat. Sollte man zum Spritzmittel greifen wollen, dann ist der altbekannte Netzschwefel noch immer das wirksamste und rationellste Mittel.

Und schließlich erinnere ich hier an dieser Stelle und immer wieder an das altbewährte Blattstärkungsmittel „VITANAL sauer/kombi“. In regelmäßigen Abständen, wiederholend nach zwei bis drei Wochen gesprüht, erhöht es ganz signifikant die Blattgesundheit.

Verstärktes Auftreten der Blattrollwespe, erkennbar an zahlreichen eingerollten Blättern, stellt für mich kein Problem dar. Der Rose schadet es nicht.

Knospenlose Triebspitzen können eine Folge von früheren Frostschäden sein. Diese Triebe bitte abschneiden – etwa zwei voll entwickelte Blätter zurück.

(Erreichbar bin ich wie immer unter Telefon 0173 / 5983826 oder 03681 / 304264.)

Hermann Oehring, Leiter Freundeskreis Suhl

 

Foto: Geschwinds Schönste hat unter dem Frost nicht gelitten und blüht in Lentzke seit Anfang Juni - in diesem Jahr sogar besonders üppig. Foto: Große

 
Gesellschaft Deutscher Rosenfreunde e.V.